VGG Geschäftsstelle Email: vgg-geschaeftsstelle@web.de
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Stellungsnahme des Vorstandes VGG e.V.
Der VGG e.V. versteht therapeutische Arbeit im Kontext gesellschaftlicher und politischer Bedingungen. Gesellschaftliche Entwicklungen, Machtverhältnisse und soziale Rahmenbedingungen prägen menschliches Erleben und Verhalten und sind daher auch für die psychotherapeutische Arbeit wesentlich.
Präambel zur Satzung des VGG i.d.F.v. 30.11.2008
„Gesellschaftliche Rahmenbedingungen als Entstehungs- und Entwicklungszusammenhang des Individuums sind Teil der Organismus/Umwelt-Feld- Relation. In der therapeutischen Arbeit ist der gesellschaftliche Zusammenhang, in dem diese Arbeit steht, in dreifacher Weise zu berücksichtigen und zu reflektieren: Als Entwicklungsbedingung des Menschen, der therapeutischen Beistand sucht, als soziale und ökonomischen Lage, in der sich die Klient*innen aktuell befinden und als Bezugsrahmen, in dem psychotherapeutische Tätigkeit mit einer bestimmten Funktion und Stellung stattfindet. Neben der Weiterentwicklung und Förderung der Gestaltpsychotherapie, verfolgt der Verband deshalb auch gesellschaftsbezogene Ziele“
In einer Umgebung, stark geprägt von Kriegsgefahr, Existenzängsten- auch durch die Klimakrise- Ausgrenzung, Entdemokratisierung und Zersplitterung, wird der therapeutische Raum zu einem besonders kostbaren Ort.
Die zunehmende Nutzung elektronischer und un- sozialer Medien sowie künstlicher Intelligenz, deren Steuerung sich weitgehend gesellschaftlicher Kontrolle entzieht, begünstigt die ohnehin fortgeschrittene zwischenmenschliche Entfremdung. Diese geht mit dem Verlust lebendiger Begegnung einher.
Ohne diese unmittelbar erlebte zwischenmenschliche Resonanz geht mit dem Zugehörigkeitsgefühl auch die Basis für gelebte Verantwortung für die Gemeinschaft verloren.
Als Gestalttherapeut*innen können wir genau das ermöglichen, was im Außen zunehmend verloren geht: eben echten Kontakt, Wahlfreiheit, Mitgefühl, Kreativität und Selbstverantwortung. Wir bieten einen Raum, in dem Menschen sich sicher fühlen dürfen- in ihrer Unterschiedlichkeit, mit ihren Widersprüchen, Ängsten und Sehnsüchten.
Wir stärken das Bewusstsein für eigene Bedürfnisse, Grenzen und Ressourcen, gerade wenn äußere Kräfte versuchen, diese zu übergehen oder zu normieren. Wir ermutigen dazu, inneren Halt zu finden, selbst unter äußeren Belastungen.
Wir unterstützen unsere Klient*innen, wieder in Kontakt mit ihrer Lebendigkeit und Handlungskraft zu kommen - nicht im Sinne von „Widerstand um jeden Preis“, sondern im Sinne einer existentiellen Selbstverankerung.
Unsere therapeutische Haltung wirkt der inneren Vereinnahmung durch Angst und Anpassung entgegen.
Gestalttherapie beruht auf einem humanistischen Menschenbild, das Freiheit, Verantwortung, Dialog, Respekt, Wertschätzung und Würde in den Mittelpunkt stellt.
Sie lebt von der Möglichkeit, Unterschiedlichkeit und Wachstum zuzulassen, authentisch zu sein, in in einem geschützten Raum neue Erfahrungen zu machen.
Antidemokratischen Entwicklungen stehen dieser Grundhaltung diametral entgegen.
Zudem können wir als Gestalttherapeut*innen auch politisch sensibel sein ohne zu moralisieren.
Wir benennen, wenn Macht wirkt, offen oder subtil und fördern Bewusstheit.
Wir verstehen unsere Verantwortung als die Bereitschaft, auch kontroverse und schwierige Gespräche zu führen, unterschiedliche Perspektiven und Meinungsverschiedenheiten auszuhalten und im Dialog nach tragfähigen Kompromissen zu suchen.
Dazu gehört ebenso, Nachdenklichkeit und sowohl Diversität als auch Vielfältigkeit zu ermöglichen und zugleich eine klare Haltung gegenüber Empathielosigkeit, Abwertungen und Formen der Unmenschlichkeit einzunehmen.
Eine antidemokratische Haltung beeinflusst des therapeutische Setting in folgender Weise:
Was darf (noch) gesagt werden? Welche Themen sind Tabu? Wie frei können sich Therapeut*innen und Klient*innen begegnen, wenn Repression und Überwachung im Gesundheitswesen und therapeutischen Kontext droht?
Auch die finanziellen Reglementierungen der letzten Jahre bedeuten weitere, deutlichere Einschränkungen für unsere Arbeit wie auch für unser Klientel.
Unser Fazit: die gestalttherapeutische Arbeit ist auf eine offene, freie und an demokratischen Prinzipien orientierten Gesellschaft angewiesen – nicht nur, um sicher und wirksam arbeiten zu können, sondern weil sie selbst eine Form des demokratischen Kontaktes ist:
dialogisch, mitfühlend, respektvoll, würdigend/wertschätzend.
Antidemokratische Entwicklungen bedrohen damit nicht nur äußere Strukturen, sondern auch das Herzstück unserer therapeutischen Haltung!
